Apotheken in NRW: So dünn wird das Netz an Rhein und Ruhr
Die Zahl der Apotheken in Nordrhein-Westfalen sinkt seit Jahren, und 2026 setzt sich der Trend fort. In Mülheim an der Ruhr etwa gibt es nach Angaben von Radio Mülheim noch 34 Apotheken, zwei weniger als vor einem Jahr. Was dahintersteckt und was das für deinen Weg zur Apotheke bedeuten kann, erfährst du hier.
Auf einen Blick
- Im Kammerbezirk Nordrhein (Regierungsbezirke Düsseldorf und Köln) gab es Ende 2025 noch 1.897 Apotheken, 43 weniger als ein Jahr zuvor.
- Zum 1. Juli 2026 waren es 1.886; im ersten Halbjahr standen 14 Schließungen nur vier Neueröffnungen gegenüber.
- Aktuelle Kammerdaten nennen im Herbst 2026 noch 1.880 Apotheken im Kammerbezirk Nordrhein.
- Bundesweit zählte die ABDA Ende 2025 nur noch 16.601 Apotheken, den niedrigsten Stand seit fast 50 Jahren.
Was berichtet die regionale Presse aus dem Ruhrgebiet?
Den Ausgangspunkt liefert ein Bericht von Radio Mülheim vom 14. Januar 2026. Er fasst die Bilanz der Apothekerkammer Nordrhein für das Jahr 2025 zusammen: Fünf Apotheken eröffneten neu, 48 schlossen. Unterm Strich fehlen damit 43 Standorte. Besonders betroffen waren laut Bericht größere Städte wie Duisburg und Düsseldorf. In Mülheim an der Ruhr verschwanden im vergangenen Jahr zwei Apotheken, aktuell sind es noch 34.
Kammerpräsident Dr. Armin Hoffmann hält die Entwicklung demnach für bedenklich, weil sie die flächendeckende Arzneimittelversorgung gefährdet. Gleichzeitig sieht er in den fünf Neueröffnungen ein Zeichen: Es gibt junge Apothekerinnen und Apotheker, die bereit sind zu investieren. Sie brauchen dafür aber verlässliche politische Unterstützung.
Wenn du in Mülheim, Duisburg oder Düsseldorf wohnst, merkst du das möglicherweise im Alltag: Die verbliebenen Apotheken versorgen mehr Menschen, die Wege ändern sich, die Teams sind stärker ausgelastet. Einen Überblick, welche Apotheken in deiner Nähe liegen, bekommst du, wenn du Apotheken in Nordrhein-Westfalen auf der Karte findest. Für die Region lohnt sich auch ein Blick auf die Seiten für Mülheim an der Ruhr und Duisburg.
Wie entwickelten sich die Zahlen im Jahr 2026?
Die Pharmazeutische Zeitung und APOTHEKE ADHOC berichteten am 3. Juli 2026 über die Halbjahreszahlen der Apothekerkammer Nordrhein. Zum Stichtag 1. Juli 2026 versorgten noch 1.886 Apotheken die Menschen zwischen Rhein und Ruhr, zehn weniger als zu Jahresbeginn. Dem standen 14 Schließungen und nur vier Neueröffnungen gegenüber. Die Kammer beobachtet nach eigenen Angaben seit mehr als 25 Jahren, dass quartalsweise mehr Apotheken schließen als neue eröffnen.
Im Herbst gingen die Meldungen weiter. In einem Bericht der Pharmazeutischen Zeitung vom 12. Oktober 2026 werden laut Daten der Kammer 1.880 Apotheken im Kammerbezirk Nordrhein genannt. Im dritten Quartal 2026 gab es demnach neun Schließungen und drei Neueröffnungen. Ein genaues Stichdatum nennt der Artikel nicht, die Zahl ist also als aktueller Stand im Herbst 2026 zu verstehen.
Wichtig für die Einordnung: Der Kammerbezirk Nordrhein ist nur ein Teil des Landes. Die zweite Kammer, Westfalen-Lippe, meldete laut Pharmazeutischer Zeitung (Bericht vom 13. Juli 2026) zum zweiten Quartal 1.599 Apotheken bei sieben Schließungen und zwei Neueröffnungen. Rechnet man beide Kammern zusammen, kommt man auf rund 3.485 Apotheken in NRW. Diese Summe ist eine eigene Addition der veröffentlichten Kammerzahlen, keine amtliche Landeszahl.
Stadt oder Land: Wo wirkt sich eine Schließung wie aus?
Hoffmann beschreibt den Unterschied so: Auf dem Land bedeuten Schließungen schnell deutlich längere Wege. In dicht besiedelten Städten bleibt der Weg zur nächsten Apotheke zwar kurz, doch die übrigen Betriebe müssen die Patientinnen und Patienten der geschlossenen Apotheke mitversorgen. Die Folgen sind laut Kammer längere Wartezeiten und eine höhere Arbeitsbelastung der Teams. Das ist ein Aspekt, der in der Debatte um Entfernungen leicht untergeht.
Für dich heißt das praktisch: Gerade in Großstädten wie Köln oder Düsseldorf kann es sich lohnen, bei Medikamenten, die du regelmäßig brauchst, vorausschauend zu planen und nicht erst auf den letzten Tag zu warten. Wie die Lage in deiner Stadt aussieht, kannst du über die Seite für Köln oder die Karte nachschauen.
Ein Beispiel aus Troisdorf
Dass hinter den Zahlen einzelne Geschichten stehen, zeigt der Fall der Brunnen-Apotheke in Troisdorf-Oberlar, über den die Pharmazeutische Zeitung am 12. Oktober 2026 berichtete. Die Inhaberin Gabriele Köhler ist seit Mai im Ruhestand und wollte die Apotheke an eine Mitarbeiterin übergeben. Daraus wird nichts: Der Vermieter will die Miete erhöhen. Köhler sagt, sie zahle schon jetzt das Doppelte der ortsüblichen Gewerbemiete. Von der Nachfolgerin sei zudem eine Mietkaution im fünfstelligen Bereich verlangt worden.
Die Suche nach einem anderen Standort scheiterte nach ihren Angaben, weil Gebäude nicht barrierefrei oder nicht groß genug waren oder die Lagerung der Arzneimittel unter 25 Grad Celsius nicht gesichert gewesen wäre. Die Apotheke muss deshalb dauerhaft schließen, bis Ende November soll sie revisionsfähig sein. Ob und wie sich die Versorgung im Ortsteil dadurch verändert, geht aus dem Bericht nicht hervor. Wer in der Region lebt, findet nahe gelegene Alternativen über die Seite für Troisdorf.
Solche Fälle zeigen, dass nicht nur fehlende Nachfolger, sondern auch Räume, Mieten und Bedingungen am Standort entscheiden, ob eine Apotheke bestehen bleibt. Genau diese Ursachen sind Thema im zweiten Teil unserer Reihe.
Der bundesweite Rahmen
Nordrhein-Westfalen steht mit dieser Entwicklung nicht allein. Laut ABDA-Pressemitteilung vom 13. Januar 2026 gab es Ende 2025 in Deutschland 16.601 Apotheken, 440 weniger als im Vorjahr (minus 2,6 Prozent). 502 Schließungen standen 62 Neueröffnungen gegenüber. 1977 hatte es in Ost- und Westdeutschland zusammen 16.374 Apotheken gegeben. Die Pharmazeutische Zeitung hat im Juli 2026 die Zahlen der Landesapothekerkammern für das zweite Quartal verglichen: Nordrhein verzeichnete dabei mit 14 Schließungen die meisten aller Kammern, vor Baden-Württemberg mit zehn und Bayern mit neun. Die Zahlen lagen zum Redaktionsschluss allerdings nicht für alle Länder vor.
Wenn du dir einen Eindruck von der Dichte in deinem Umfeld machen willst, hilft ein Blick ins bundesweite Apothekenverzeichnis von ApoGuru. Wie es zu der Entwicklung kam, lesen wir im nächsten Beitrag nach.
Aktuell: Bad Honnef und Troisdorf zeigen, wo es hakt
Wie konkret ein sinkender Bestand vor Ort aussieht, zeigt ein Fernsehbeitrag des WDR vom 7. Oktober 2026. Der Sender nennt für das vergangene Jahr bundesweit rund 500 Apothekenschließungen, davon mehr als 130 in Nordrhein-Westfalen, viele in den großen Städten. In Bad Honnef gab es nach Angaben des Beitrags in der Innenstadt einmal acht Apotheken, inzwischen sind es drei. Zum Jahresende schließt dort auch die Hirsch-Apotheke nach 160 Jahren, weil der Vermieter das alte Haus abreißen lässt. Eine Seniorin sorgt sich, wie sie künftig an ihre Arzneimittel kommt.
In Troisdorf-Oberlar gibt Apothekerin Gabriele Köhler ihre Brunnen-Apotheke Ende November auf. Eine Mitarbeiterin wollte sie übernehmen, doch nach einer deutlich höheren Mietforderung sprang die Interessentin ab. Die nächsten Apotheken liegen mehrere Kilometer entfernt, was besonders ältere Menschen trifft. Für dich heißt das: Schau vorab in der Apothekensuche für NRW, welche Standorte in deiner Nähe bleiben und ob ein Botendienst angeboten wird.
Quellen und weiterführende Links
- Entwicklung: Wieder weniger Apotheken (Radio Mülheim, 2026-01-14)
- Nordrhein: Erneuter Rückgang der Apothekenzahlen (Pharmazeutische Zeitung, 2026-07-03)
- NRW: Apotheke muss wegen zu hoher Miete schließen (Pharmazeutische Zeitung, 2026-10-12)
- Zweites Quartal 2026: Keine Trendwende beim Apothekensterben (Pharmazeutische Zeitung, 2026-07-13)
- 2025: Apothekenzahl sinkt auf 16.601 Betriebsstätten (ABDA, 2026-01-13)
- Apothekensterben: Wo auf dem Land Apotheken verschwinden (WDR, 2026-10-07)




















